Bundeweiter Fachtag „Familienorientierte Suchtarbeit zur Stärkung elterlicher Kompetenz“

schnappschuss FT Sucht 2021Auch suchtkranke Eltern wollen gute Eltern sein. Dieses ist eine Erkenntnis, die schon immer in der Beratungsarbeit deutlich wurde.

 

Ein Fachtag ging am 29.4.2021 nun verschiedenen Fragen nach: „Wie sollten sich suchterkrankte Eltern trotz eigener Belastung um ihre Kinder kümmern und wie kann man sie dazu in ihrer Erziehungsverantwortung stärken? Welche guten Rahmenkonzepte und Projekte werden in der familienorientierten Suchtarbeit zur Unterstützung elterlicher Kompetenz derzeit angeboten? Und wie lassen sich interdisziplinäre Kooperationen gut umsetzen?“

 

Antworten auf diese Fragen fanden die Referent_innen des Fachtages, der von Deutschem Caritasverband e.V. (DCV), der Diakonie Deutschland sowie dem Gesamtverbund Suchthilfe e.V. (GVS) ausgerichtet wurde. 360 Fachkräfte der Drogenberatung, der Sucht-Selbsthilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, der Therapieeinrichtungen und anderer Fachdienste kamen zum gemeinsamen Austausch online zusammen.

 

Zunächst referierten Frau Riedel und Frau Onstein vom DCV die Ergebnisse einer vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie zur „Stärkung elterlicher Kompetenz bei suchterkrankten Eltern“. Als Schlüsselindikatoren für eine gelingende Praxis wurden dabei die Vernetzung, gemeinsame Kooperationsvereinbarungen, ein „Jour Fixe“ der interdisziplinären Fachkräfte, anlassbezogene Fallbesprechungen sowie die Chancen durch Digitalisierung ausgemacht. Während der Projektlaufzeit von 14 Monaten erstellten die Macher_innen der Studie zusätzlich einen Videofilm, ein Rahmenkonzept sowie ein Qualitätsmanagement-Modell. Alle Produkte sind demnächst beim DCV einsehbar.

 

Der Vortrag von Frau Prof. Dr. Sonja Bröning von der Medical School Hamburg, die auch bereits am Kinderstärkungsprogramm „Trampolin“ mitwirkte, machte ebenfalls deutlich, dass es bei der Stärkung suchtkranker Eltern vor allem auf deren Akzeptanz des potentiellen Hilfsangebotes, auf die Motivation zur Veränderung, auf die Nutzung kombinierter Beratungsformen (auch online) und auf eine gelingende Biographiearbeit ankommt. Auch Suchterkrankte wollen gute Eltern sein. Dazu müssen sie in vielen Fällen am Bindungsverhalten, an der Sensibilisierung für die Bedürfnisse des Kindes, an der Stärkung der Selbstregulation, an der Selbstwirksamkeit sowie an der Mentalisierungsfähigkeit arbeiten. Eine Quintessenz des Inputs war: Wenn Fachkräfte es in ihrer Arbeit schaffen, für suchterkrankte Eltern die Hürden zur Beratung, Therapie und Begleitung abzubauen, die oft durch Traumatisierung, Angst, Schuld und Scham entstehen, besteht eine gute Chance, auch die elterliche Erziehungskompetenz und damit die Situation der Kinder in suchtbelasteten Familien zu verbessern.

 

Den Abschluss der Tagung bildeten am Nachmittag 8 Workshops, die einzelne Facetten des Vormittags praktisch vertieften.