#FamilienLeben - 50 Jahre Wissenschaftlicher Beirat für Familienfragen des BMFSFJ

Jubiläumsfeier bmfsfj 2020Welche Themen brennen Familien eigentlich unter den Nägeln? Welche Herausforderungen gibt es für Familien und wie sollte Politik hier unterstützen? Der Familienbeirat des BMFSFJ findet seit 50 Jahren Antworten auf diese Fragen.

 

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) führte das Ministerium gemeinsam mit renommierten Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Familienverbänden, Wissenschaft und Gesellschaft am 13.11.20 eine Onlinetagung durch, um über nachhaltige Politikberatung zum Wohle von Familien zu reflektieren.

 

Unsere erste Vorsitzende Christina Koch sowie die Fachreferentin Angela Lüken nahmen online an der Tagung teil. Ausrichter waren vom Beirat u.a.: Prof. Dr., Jörg M. Fegert (Vorsitzender des Beirates)Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie; Prof. Dr., Margarete Schuler-Harms (Stellvertretende Vorsitzende), Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr, Öffentliches Recht und Prof. Dr., C. Katharina Spieß (Stellvertretende Vorsitzende) Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

 

Nach der Eröffnung durch Familienministerin Frau Dr. Franziska Giffey folgte ihr Beitrag rund um die nachhaltige, interdisziplinäre wissenschaftliche Beratung zur Familienpolitik der vergangenen 50 Jahre. Frau Dr. Giffey verwies u.a. auch auf die aktuellen Maßnahmen zur Unterstützung von Familien, die auch die Teilhabe besonders benachteiligter Gruppen zum Ziel haben (Gute-Kita-Gesetz, Familienstärkungsgesetz etc.). Diese Ansätze deckten sich auch mit dem Leitsatz der Nachhaltigkeitsstrategie „Leave no one behind“ der Bundesregierung. Alle Maßnahmen sollen das Ziel verfolgen, Kinder und Familien in Vielfalt gemäß ihres tatsächlichen Bedarfs zu stärken.

 

In zwei Panels beschäftigten sich im Anschluss die Teilnehmenden mit der geteilten Betreuung/Wechselmodell für getrennte Elternschaft („Gemeinsam getrennt erziehen“) und mit der Digitalisierung als Herausforderung für Familie und Politik.

 

Wichtige Punkte in diesen Diskussionen waren: Das Wechselmodell sollte wie andere Vereinbarungen bei Trennung und Scheidung individuell und unter Anhörung der Kinder geregelt werden. Bei hochstrittigen Paaren funktioniert das Wechselmodell eher nicht. Auch müssen Faktoren wie Einkommen und Wohnsituation bei einer solchen Betreuungsregelung noch stärker berücksichtigt werden. Zur Auswirkung des Wechselmodells auf die Partner_innen bzw. die Kinder braucht es zukünftig mehr evidente Daten sowie eine Praxisforschung im Längsschnitt. Eine Beratung zu Trennung und Scheidung müsste zukünftig auch wirtschaftliche Fragen bei der Unterhalts- und Sorgerechtsregelung noch mehr im Blick haben. Dazu braucht es die Qualifizierung der therapeutischen/pädagogischen Fachkräfte oder die Implementierung von interdisziplinären Teams.

 

Bei der Digitalisierung als Herausforderung für Familie und Politik wurde diskutiert, welche neuen Kompetenzen Fachkräfte und Eltern entwickeln müssen, um Kinder gut in der Digitalisierung zu begleiten. Dazu ist es sinnvoll, u.a. Weiterbildungen zur eigenen Haltung in der Erziehung aber auch zu Sicherheitsfragen und zu aktuellen Trends in der Mediennutzung anzubieten. Eltern sollten grundsätzlich beraten und gestärkt werden. Online-Angebote wären dafür sinnvoll, die niedrigschwellig und in leichter Sprache aufgelegt werden.

 

Wir stehen in einem Kulturwandel. Mobiles Arbeiten, nicht nur Homeoffice, ist die zukünftige Wegrichtung für Erwerbstätige und ihre Familien. Es müssen dafür zusätzliche neue Kompetenzen entwickelt werden, um in der Digitalisierung die Erwerbstätigkeit mit der Familienarbeit besser zu verknüpfen. Homeoffice hat dabei Vorteile für viele Familien, aber nicht für alle. Die Chancengerechtigkeit auch für sozial Benachteiligte und Bildungsferne muss hergestellt werden z.B. in der Ausstattung mit Internet und Laptops und in der Fortbildung. Homeoffice und andere Digitalisierungsschritte müssten auch arbeitsrechtlich geregelt sein. Wichtig sind z.B. Betriebsvereinbarungen, die auch die Fragen klären: Was bedeutet Erreichbarkeit und Ansprechbarkeit beim mobilen Arbeiten? Soll es einen Rechtsanspruch auf einen bestimmten Anteil an mobilem Arbeiten geben? In den Familien muss dabei geklärt werden, wie während mobilem Arbeiten die Kinderbetreuung gestaltet werden kann. Kinder sollten in der Homeofficezeit beteiligt werden, wie der Familienalltag aussehen könnte.

 

Letztlich ist klar: Mobiles Arbeiten erspart Wege und kann Kommunikation erleichtern. In der Umsetzung sollten aber auf jeden Fall der Gesundheitsschutz und die betriebliche Gesundheitsförderung ebenfalls geregelt und gestärkt werden.

 

Der Wissenschaftliche Beirat für Familienfragen* beim BMFSFJ ist eines der ältesten politischen Beratungsgremien der Bundesrepublik Deutschland. Im Beirat widmen sich aktuell 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Fachdisziplinen, die das Thema Familie als Arbeitsschwerpunkt haben, ehrenamtlich der wissenschaftlichen Politikberatung.