Fachtag „Kindeswohl im Spannungsfeld zwischen Integration und Abschiebung"

FachtagAm 27.11.2019 fanden sich über 50 Fachkräfte aus unterschiedlichsten Berufsgruppen im sozialkulturellen Zentrum „Alberttreff“ in Großenhain zu einer wichtigen Fragestellung zusammen: Wie können Familien mit Migrationshintergrund und/oder Fluchterfahrung angemessen beraten und begleitet werden sowie angemessene Unterstützung erhalten? Welche Prämissen der vorurteilsbewussten Pädagogik finden dabei Anwendung? Welche Rahmenbedingungen braucht es zur gelingenden Arbeit? Wie können sich alle Professionen angefangen von der Flüchtlingssozialarbeit, den Flüchtlingsräten, den Beratungsstellen, den Kitas und Schulen, der Netzwerke Frühe Hilfen, aber auch der Polizei gut vernetzen?

 

Drei Impulse setzten am Vormittag den Rahmen für die weitere Arbeit am Nachmittag in Workshops: Im Impuls 1 wies Frau Cordula Lasner-Tietze, Bundesgeschäftsführerin des DKSB e.V. auf das gerade begangene Jubiläum „30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention“ am 20.11.19 hin und machte dabei einerseits die großen Erfolge der letzten Jahre deutlich. So wird gerade ein Gesetzesentwurf vorbereitet, um Kinderrechte im Grundgesetz als eigenständiges Gesetz zu verankern. Dennoch bliebe es aber andererseits weiter Aufgabe aller gesellschaftlichen Kräfte, auf die verletzlichen Rechte der Kinder in allen Kontexten hinzuweisen.

 

Im Impuls 2 stellte Frau Prof. Dr. Isolde Heintze von der Hochschule Mittweida die Ergebnisse eines Forschungsvorhabens vor. Familien mit Migrationshintergrund oder nach Flucht sowie Fachkräfte des Hilfesystems wurden in qualitativen Interviews der Hochschule Mittweida befragt. Das Thema lautete: „Welche Handlungsstrategien und -perspektiven haben Geflüchtete derzeit in Deutschland oder speziell in Sachsen?“ Die Ergebnisse machten deutlich, wie unsicher und prekär die Lebenslage der Geflüchteten ist und wie wenig dadurch der Blick bereits auf Handlungsperspektiven fallen kann. Viele der befragten Menschen erleben sich aufgrund von Traumatisierungen als „erstarrt“ und in einer Art Handlungsvakuum. Hier ist es besonders wichtig, diesen Menschen Zeit, Raum und Sicherheit zu geben, um wieder eine Lebensperspektive für sich und ihre Kinder entwickeln zu können.

 

Der Impuls 3 hatte das Thema „Aufenthaltsbeende Maßnahmen- Einblicke in die Praxis“. Jacqueline Tauscher von der Landesdirektion Sachsen sowie Polizeihauptkommissar Raiko Riedel, Polizeidirektion Dresden-Polizeirevier Meißen berichteten von Ihren Erfahrungen bei Abschiebungen. Nach diesem Bericht wurden aus dem Publikum besonders viele Fragen gestellt, die sich vorrangig mit der Praxis der Abschiebung im Zusammenhang mit Menschenwürde und Kinderrechten beschäftigten.

 

Die Workshops am Nachmittag zu den Themen „Kinderschutz und Kinderrechte in Familien mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung“ (Angela Lüken, DKSB LV Sachsen e.V.) und „Traumapädagogisch arbeiten und traumasensibel handeln“ (Marion Nagel, yuva Leipzig) sowie „Herausforderung Migration- ein Hort auf neuen Pfaden“(Ulrike Edler, Herr Allejjii, Hort der AWO Chemnitz) diskutierten praktische Fragen der Umsetzung von konkreten Hilfen, der besseren Vernetzung und guter Ideen zur Unterstützung von Kindern und Familien. Eines wurde dabei immer wieder deutlich: Hilfen aber auch die Menschen brauchen Zeit, Empathie und gute Rahmenbedingungen, um bei den Betroffenen auch anzukommen.

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