Auswertung der Statistik der Kinder- und Jugendtelefone sowie der Elterntelefone in Sachsen 2021

NgK Beraterin KJT JbJDem DKSB LV Sachsen e.V. liegen die statistischen Angaben zur Beratungsarbeit an den niederschwelligen Beratungsangeboten Kinder- und Jugendtelefon (KJT) und Elterntelefon (ET) im Jahr 2021 vor. Alle grundlegenden Informationen zu den Angeboten finden Sie auf unseren Seiten.

 

Im Berichtszeitraum gab es 7 Kinder- und Jugendtelefone und 4 Elterntelefone an insgesamt 8 Standorten in Sachsen. Die Telefone sind in Trägerschaft verschiedener Ortsverbände des Kinderschutzbundes, des ASB RV Zittau/Görlitz e.V. und des AWO KV Chemnitz und Umgebung e.V.

 

Die detaillierte Statistik der sächsischen Kinder- und Jugend- sowie der Elterntelefone für das Jahr 2021 finden Sie im Downloadbereich. Diese wurden erstellt vom Bundesverband Nummer gegen Kummer e.V.

 

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Die Kinder- und Jugendtelefone sowie Jugendliche beraten Jugendliche


An den sieben sächsischen Kinder- und Jugendtelefonen wurden von ausgebildeten Berater_innen im vergangenen Jahr 42.258 Anrufe entgegengenommen. Dies ist weniger als im letzten Jahr. Einige Standorte konnten während der Lockdowns aufgrund von Zugangsbeschränkungen in den Häusern vor Ort teilweise nur eingeschränkt oder gar keinen Dienst leisten. Dies macht sich sofort in den Anruferzahlen deutlich.

 

2021 führten die Beratenden am Telefon 9.742 intensive Beratungsgespräche. Die Dauer der Beratungsgespräche nahm weiter zu, ebenso wie die Komplexität der Fragestellungen und Probleme der Kinder- und Jugendlichen. Die meisten Beratungsgespräche dienen der Problemklärung (47,8%). Außerdem haben viele Kinder und Jugendliche das Bedürfnis sich auszusprechen und einen neutralen Gesprächspartner_in zu haben (36,5%). Manche Kinder- und Jugendliche benötigen Informationen (5%). Die meisten Kinder und Jugendlichen, die das Angebot des Kinder- und Jugendtelefons nutzen, sind zwischen 12 und 17 Jahren alt (60,4%).

 

An den zwei Standorten mit dem Samstagsangebot Jugendliche beraten Jugendliche (JbJ) gab es 494 Anrufe, davon 198 intensive Beratungen.

 

Außerdem wurden an drei Standorten mit insgesamt 7 Beratern zusätzlich 417 Mailberatungen durchgeführt.

 

Themenbereiche am Kinder- und Jugendtelefon waren:

Themenbereiche

Gespräche in %

Psychosoziale Probleme und Gesundheit

42,5 %

Probleme in der Familie

23,0 %

Sexualität

20,7 %

Partnerschaft und Liebe

19,3 %

Schule /Ausbildung /Beruf

13,4 %

Gewalt und Missbrauch

13,2 %

Freundeskreis und Peergruppe

11,9 %

Spezielle Lebenssituation /sozialpolitische Themen

10,0 %

Sucht / selbstgefährdendes Verhalten

8,4 %

 

Kinder und Jugendliche am Telefon berichteten 2021 vor allem von Problemen mit sich selbst. Dagegen haben Probleme mit anderen Jugendlichen etwas abgenommen. Dies ist sicherlich auf die zeitweisen Schulschließungen zurückzuführen, in denen Kinder und Jugendliche sehr auf sich selbst bezogen waren und wenig Austausch mit Gleichaltrigen hatten. Die Themen Spott, Ausgrenzung, Mobbing wurden weniger benannt. Deutlich mehr waren Suizidgedanken, Selbstverletzung und Essstörungen ein Thema am Telefon.

 

Weiterhin hoch sind die Zahlen in den Problemfeldern körperliche Gewalt, sexuelle Übergriffe und sexueller Missbrauch. Psychische Themen haben vor allem unter Jungen (2,5%) zugenommen. Hier wird deutlich, dass Kinder und Jugendliche in den Zeiten der Pandemie wenig im Blick waren und dies sich an den verstärkten Problemlagen ablesen lässt.

 

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Elterntelefone

 

An den vier sächsischen Elterntelefonen nahmen die ausgebildeten ehrenamtlichen Berater_innen im vergangenem Jahr 4.482 Anrufe entgegen. Davon waren 2.214 intensive Gespräche zu Alltags- und Erziehungsfragen der Eltern und anderer an der Erziehung Beteiligter. Die Anzahl der Beratungen ist damit weiter gestiegen.


Für Eltern war das Angebot des Elterntelefons in der Coronakrise eine wichtige Unterstützung zur Bewältigung der familiären Probleme. In fast allen Gesprächen liegt der direkte und indirekte Fokus der Beratung bei den Kindern. Dabei sind alle Altersgruppen vertreten, um die sich die Eltern Sorgen machen.


Deutlich wurde, dass Eltern häufig in Überlastungssituationen gekommen sind. Das Item eigene Probleme ist um 6,8% gestiegen. Auch Trennung/ Scheidung, Probleme mit dem anderen Elternteil waren überdurchschnittlich häufig Thema in der Beratung. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Komplexität der Gespräche zunimmt. Insgesamt wurden mehr Problemfelder von den Beratenden angekreuzt, was deutlich macht, dass in den Gesprächen vielfältige Problemlagen Thema waren und die Beratenden auch sensibler für die Komplexität der Probleme sind. Besonders häufig haben die Anrufenden Probleme mit ihrer eigenen Erziehungssituation und Fragen zu Erziehungsmethoden (+4,4%).
Ein sehr deutlicher Anstieg ist bei den psychischen Problemen (+12,6%) zu verzeichnen, was die schwierige Situation der Familien in der Gesellschaft widerspiegelt.

 

 Themenbereiche an den Elterntelefonen waren:

Themenbereiche

Gespräche (in Prozent)

Eigene Probleme

75,2 %

Probleme mit Personen und Behörden

51,7 %

Erziehung und Familie

50,1 %

Psychische Probleme und Gesundheit

43,9 %

Information und Auskunft

37,4 %

Alltagsprobleme

33,6 %

Soziale Beziehungen

25,1 %

Gewalt und Missbrauch

22,5 %

Kita/Schule/Beruf

18,7 %

 

Die intensiv geführten Gespräche halfen den meisten Anrufenden weiter, entweder durch die gemeinsame Bearbeitung des Problems (45,7%), durch die Möglichkeit, sich am Elterntelefon auszusprechen und damit zu entlasten (38,8%) oder durch die Vermittlung von Informationen (12,7%). In 2,8% der Beratungsgespräche war weder Unterstützung noch persönliche Aussprache erwünscht bzw. möglich.


Die Möglichkeit der Bearbeitung des Problems und die Entlastung durch das Gespräch werden immer häufiger von den Eltern erlebt. Die Zahl der reinen Informationsgespräche ist um rund 5% gesunken.

 

Die detailierten Einzelstatistiken können Sie sich hier herunterladen.